Mittwoch, 29. April 2009

Letzter Arbeitstag

Morgen ist der letzte Tag meiner über vierjährigen Selbständigkeit. Wie ich mich fühle? Ich weiß es nicht. Es ist so surreal, ich hab es selbst noch gar nicht verstanden.
Ich gebe mein zweites Zuhause auf. Ich meine, den Laden hatte ich die ganze Zeit, während ich mein erstes Zuhause zwischendurch zweimal gewechselt habe. Viele Menschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis kennen mich nur selbständig. Gut, manche wissen wahrscheinlich immer noch nicht, was ich eigentlich den ganzen Tag so treibe. Für die ist es dann kein Unterschied.
Ich habe in dem Zeitraum ca 5600 Haarschnitte gemacht an Menschen unterschiedlichen Geschlechts und Alters. Von den ganz Kleinen, die ich seit ihrer Geburt kenne bis zu den ganz Großen, die währendessen in Rente gingen. Ich habe die Mütter, Väter, Töchter, Söhne, Freundinnen und Freunde von anderen Kundinnen und Kunden bedient und mir ein eigenes kleines Netzwerk geschaffen. Ich werde es bestimmt doll vermissen, wenn ich meinen kompletten Neuanfang starte.

Donnerstag, 23. April 2009

Abschied

Puh, es ist ganz schön strange, sich von allen Kunden verabschieden zu müssen. Ich arbeite jetzt noch genau eine Woche und so langsam sind auch alle Termine vergeben. Ich hab ganz schön Angst davor, allen sagen zu müssen "Tut mir leid. Ich kann dir nie wieder die Haare schneiden, es sei denn du kommst nach Berlin..."
Am Telefon muß ich immer aufpassen, daß ich keinen Tinnitus bekomme, da die erste Reaktion von allen immer ein lautes "Nein!!! Das kannst du doch nicht machen! Ist ja furchtbar, wo gehe ich denn dann hin?" ist gefolgt von einem kleinlauten "Ich denke, daß du dich da wohl fühlst und es das Richtige für dich ist. Du passt dahin." Zum Abschied wollen dann die meisten eine Umarmung und wünschen mir alles Gute.
Ich fühle mich so zwiegespalten. Einerseits tut es voll gut zu wissen, daß ich den vielen verschiedenen lieben Menschen in der Zeit so ans Herz gewachsen bin, aber andererseits fühle ich mich natürlich unwohl dabei, sie so im Stich zu lassen. Bisher weiß ich nicht, was am Ende siegen wird, mein schlechtes Gewissen oder mein gestärktes Ego. Aber eins ist klar, ich werde eine Menge Menschen ganz furchtbar vermissen.
Trotzdem freue ich mich auf das, was da in der Hauptstadt auch mich zukommt.

Donnerstag, 16. April 2009

Verliebt in Berlin


Jetzt bin ich wieder in Bielefeld und es fällt mir schwer, die ganzen Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten und in Worte zu fassen. Mein erster Eindruck war sehr positiv. Dabei war ich nichtmal aus. Ich habe mir nur mehrere Tage lang wie ein normaler Tourist mit mehreren Plänen und Kamera bewaffnet die Hacken wund gelaufen und mir WG's und Friseurläden angeschaut.
Die Zeit war viel zu kurz und ich muß zugeben, daß ich einen Teil davon sinnlos verplempert habe. Aber mein Herz sagt mir die ganze Zeit, daß ich genau da hingehöre. Ich hoffe, es irrt sich diesmal nicht...
Ich verdaue noch ein paar Tage lang die Eindrücke und schreibe dann weiter.

Mittwoch, 15. April 2009

Abgefahren


Eine der abgefahrensten Eigenschaften von Berlin ist, daß scheinbar jeder mit irgendwas selbständig ist. Man kommt hier ständig an irgendwelchen kleinen Läden vorbei, guckt rein und dann stehen da oft mehr oder weniger antike Möbel und niemand ist da oder manchmal schon, aber man weiß nie so genau was zum Henker die da eigentlich machen/verkaufen. Schon oft hatte ich das Bedürfnis, einfach reinzugehen und zu fragen "Was ist das hier überhaupt?", aber ich traue mich nicht die private Atmosphäre zu stören und komme mir auch irgendwie blöd vor. Vielleicht wohnt da gar jemand. Man weiß es nicht so genau.

Ständig ertappe ich mich dabei, vor roten Ampeln stehenzubleiben und oute mich damit wohl als braver Kleinstadtbürger, denn meist kommen Autos immer nur sporadisch gleich im Rudel. Ansonsten sind die Straßen komplett leergefegt. Man muß nur vor Radfahrern und den Trams aufpassen, die hier langrasen.

Bisher war hier alles sehr beschaulich und irgendwie auch ruhig. Dazu muß ich sagen, daß ich bis jetzt noch nicht so weit rumgekommen bin und mich hauptsächlich in Friedrichshain und ein bißchen am Prenzelberg aufgehalten habe.

Kommen wir zu meinem Bewerbungsgespräch. Ich behaupte, es ist gut gelaufen. Der Laden war schön, die Chefin total nett und auch sonst machte die Atmosphäre einen sehr guten Eindruck auf mich. Wir liegen in Art und Weise der kundenorientierten Friseurdienstleistung und Arbeitsmoral scheinbar absolut auf einer Wellenlänge und waren uns auch sonst sympathisch. Ich komme im Mai nochmal zum Probearbeiten wieder. Da freue ich mich drauf!

Dienstag, 14. April 2009

Angekommen

Ich bin gestern Abend hier angekommen und war erstmal viel zu fertig vom Sitzen im Auto und Tasche schleppen, sodaß wir außer DVD's gucken nichts gemacht haben. Die erste positive Erfahrung waren nette Menschen, die mir den Weg zum richtigen Gleis gezeigt haben und ein netter junger Mann, der mir den Weg gezeigt und meine Tasche die Treppe hoch getragen hat, als ich mich in der S-Bahn-Station verlaufen habe. Voll nett!

Irgendwie ist es seltsam, aber immer wenn ich in einer fremden großen Stadt bin habe ich das Gefühl, Menschen zu sehen, die ich kenne. Ich denke immer, was für ein Zufall, daß wir uns hier treffen oder was machst du denn hier und dann fällt mir auf, daß es einfach nur Menschen sind, die irgendeine Ähnlichkeit haben, aber halt eben nicht die, die ich dachte.

Puh, ich hab seit gestern absolute Wortfindungsstörungen und Artikulationsprobleme. Es ist eigentlich keine gute Idee, jetzt was zu schreiben, aber ich muß, denn ich freu mich grad total. Ich bekam eben einen Anruf. Die erste Bewerbung ist positiv angekommen und ich habe morgen um 10:30 Uhr mein erstes Vorstellungsgespräch. Jippih! Ich bin total aufgeregt.

So. Jetzt latschen wir erstmal ein bißchen durch die Gegend und gucken uns Friseurläden an.

Freitag, 3. April 2009

WG-Suche

Puh, so eine WG-Suche ist ganz schön anstrengend, obwohl ich die ganze Zeit dabei auf meinem Hintern sitze, aber mir brummt ganz schön der Schädel.
Bisher habe ich zwei Dates klargemacht und eine Absage bekommen und noch eine offene Anfrage. Meine Hoffnung ist, daß es in Berlin auch sowas wie die Ultimo gibt und ich dort noch Möglichkeiten finde, um spontane WG-Besichtigungen zu vereinbaren. Mal sehen...
Komisch, diese eine Absage wurmt mich. Das ist wie einen Korb kriegen. Wir glauben, daß das nicht passt. Was soll das denn heißen? Ich glaube, ich werde als Vegetarier diskriminiert. Dabei hab ich extra geschrieben, daß ich kein Moralapostel bin. Pff
Naja, ich finde schon was. Die eine WG klang sehr nett links und sie schrieben, sie würden mich gern kennenlernen. Das ist doch was. Allerdings nicht in Friedrichshain, sondern in Wedding, aber wenns dort cool ist, ist mir das dann auch egal. Ich muß mir schätzungsweise eh ein Monatsticket für die öffentlichen Verkehrsmittel besorgen.
Es bleibt spannend. Die Bewerbungen kommen dann Montag.

Donnerstag, 2. April 2009

Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!

Da mich die Perspektive hier in Bielefeld nicht wirklich glücklich macht, entschloß ich mich, endlich mal wieder einen Neuanfang zu machen. Welche Stadt von den vielen schönen Großstädten in Deutschland war mir eigentlich erstmal egal, aber die geringen Mietpreise unserer Hauptstadt inklusive der Schwärmerei mancher Menschen hat mich überzeugt. Ich gehe nach Berlin.
Nachdem das für mich feststand und ich meine Überzeugung unter den Menschen in meinem Umfeld verbreitete, bekam ich Feedbacks sehr geteilter Meinungen. Die erste Reaktion war aber immer "Nein! NEIN! Du darfst nicht gehen!" Ich bin ja auch selbst schuld, wenn ich die Leute auch so von mir abhängig mache. Manche blieben dabei, manche wollten es mir auch gar nicht erst glauben, aber andere widerum sagten, wenn irgendwer in der Künstlermetropole gut aufgehoben sei, dann ich und daß ich mich dort sehr wohlfühlen würde. Sie seien auch ein bißchen neidisch.
Tja, was soll ich sagen.
Ich freue mir nen Loch ins Knie, habe gleichzeitig total Schiß, aber in erster Linie bin ich einfach nur total aufgeregt und gespannt wie ein Flitzebogen. Endlich Veränderung! Ich liebe Veränderungen, nicht umsonst muß ich mindestens einmal im Jahr meine Möbel verrücken und ständig meine Haare und meinen Stil verändern. Ich habe viel zulange den gleichen Trott gelebt und war dabei unglücklich, rannte wie Alice im Wunderland dem weißen Kaninchen der Zeit hinterher und fühlte mich wie ein überfahrener Pfannkuchen.
Jetzt habe ich endlich wieder ein Ziel vor Augen, bin meines eigenen Glückes Schmied und muß mich nicht von anderen abhängig machen lassen. Und ich lerne, dem Schicksal zu vertrauen...
Und auf einmal habe ich für die Berlin-Organisation Energien übrig, bei denen ich mich frage, in welchem Teil meines Körpers sie sich versteckt haben. Bestimmt im kleinen Zeh.